GMD Philippe Bach © Rolf K. Wegst

Die Meininger Hofkapelle © Rolf K. Wegst

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Konzert  © www.foto-ed.de

Open Air Eröffnungskonzert zum Spielzeitbeginn 2009/10 im Englischen Garten © www.foto-ed.de

In den Hallen der RAW © www.foto-ed.de

Konzertidylle © www.foto-ed.de

Programm

Meininger Hofkapelle

Die Meininger Hofkapelle
Die Gründung der Meininger Hofkapelle geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Wachsende künstlerische Bedürfnisse des neugegründeten Hofes in der zur Residenz erhobenen Stadt Meiningen und die Einweihung der Schlosskirche erhöhten die musischen Ansprüche. Das kleine Ensemble, welches zunächst aus einzelnen Sängern und Instrumentalisten zusammengesetzt war, leitete der Komponist und Dirigent Georg Caspar Schürmann. Unter seiner Leitung (1702-1707) wurden insbesondere die von ihm selbst komponierten Opern aufgeführt. Von 1711 bis 1731 stand Johann Ludwig Bach, genannt der „Meininger Bach", der Kapelle vor und rückte mit seinen Nachfolgern Gotthold Friedrich und Johann Philipp Bach die kirchenmusikalische Richtung in den Vordergrund.

Hof und Kirche vereinen
Moderner Zeitgeist beherrschte die Hofkapelle von Anbeginn, denn schon frühzeitig versuchte man höfische und kirchliche Musik zu einem bürgerlichen Konzertleben zu vereinen. So kam es mit Hilfe der örtlichen Freimaurer am 14. März 1781 zu einem ersten öffentlichen Konzert im Logenhaus. Hohe Verdienste erwarb sich der Kapellmeister I. M. Feiler (1778-1814), der neben anspruchsvollen Opernaufführungen auch Abonnementskonzerte ins Leben rief. Nach Feiler leiteten zwei Schüler Louis Spohrs das Orchester: 1829 übernahm der vorherige Konzertmeister Eduard Grund die Stabführung und eröffnete mit „Fra Diavolo" 1831 das neue Theatergebäude, bis er 1857 von seinem Violinkollegen Johann Joseph Bott abgelöst wurde. Obwohl Herzog Bernhard II. größten Wert auf Oper im Theatergebäude und Kammermusik im Schloss legte, erkämpften sowohl Grund als auch Bott der Sinfonik ihren festen Platz.
Als nächster Kapellmeister findet sich Emil Büchner (1865-1880) verzeichnet, während der Konzertmeister Friedhold Fleischhauer als eigentliche Seele des Orchesters wirkte. Seiner Initiative sind auch erste persönliche Kontakte zu Richard Wagner zu verdanken, und nachdem Herzog Georg II. den Opernbetrieb zugunsten des Schauspiels eingestellt hatte, konnte sich das Orchester ganz aufs Konzert konzentrieren. Der Niveauanstieg bewog Wagner, sich den Stamm seines Bayreuther Festspielorchesters unter den „Meiningern" zu suchen.

Frischer Wind
Mit dem Antritt Hans von Bülows Anfang Oktober 1880 wird nochmals eine Wende in der Geschichte des Orchesters markiert. Bülow brachte frischen Wind und internationales Flair in die südthüringische Residenz. Erstmals erklangen Werke von Liszt, Wagner und anderen „Neudeutschen" in Meiningen; Bülow läutete die bis heute währende Tradition der Aufführung Brahmsscher Werke (die 4. Sinfonie konnte in Meiningen uraufgeführt werden) ein. Der anspruchsvolle Dirigent war sich des Vorzugs bewusst, die wahrscheinlich einzige Kapelle Deutschlands zu leiten, die sich ausschließlich dem Konzert widmen konnte. In unermüdlicher Probenarbeit entwickelte er die Meininger Hofkapelle zu einem europäischen Eliteorchester. Ganz im Geiste des kunstsinnigen Georg ging die Kapelle zunehmend im „musikmissionarischen" Sinne auf Reisen. Von insgesamt 200 öffentlichen Konzerten fanden drei Viertel in ganz Deutschland, später in weiten Teilen Europas statt.
1885 überließ Bülow sein Amt dem 21-jährigen Richard Strauss; bereits ein halbes Jahr zuvor hatte Bülow den aufstrebenden Komponisten als Stellvertreter verpflichtet. Strauss verließ jedoch schon 1886 die thüringische Residenz. Sein Nachfolger Fritz Steinbach setzte das Erbe Bülows fort und führte auf Tourneen durch Holland, die Schweiz, Dänemark, England und Böhmen die Hofkapelle zu internationalem Ansehen, obwohl „Die Meininger" längst keine Unbekannten mehr waren.
Berühmte Künstler wie Johannes Brahms und Eugen d'Albert wurden als Solisten gewonnen. Außerdem machte sich Steinbach um die Reformierung des Chorwesens und die Wiederbelebung der Bachpflege verdient, was Max Reger zu dem Ausspruch veranlasste: „Es gibt nur ein Orchester, das ich haben möchte: Meiningen." Doch bevor Reger die Kapelle übernahm, dirigierte der Pianist und Komponist Wilhelm Berger das Orchester. Auch er dirigierte über 150 Gastspiele, verstarb aber bereits 1911 im Alter von 50 Jahren.
Mit Max Reger erhielt die Kapelle wiederum einen international renommierten Künstler an ihrer Spitze. Der Komponist sah in dem ihm anvertrauten Klangkörper vor allem ein geeignetes Instrument zur Verbreitung eigener Werke, von denen viele wichtige in der Meininger Zeit entstanden - so hat er u.a. seine Mozartvariationen der Meininger Hofkapelle gewidmet.

Die Kapelle zwischen den Kriegen
Das Jahr 1914 musste nach dem Tod Georgs II. und mit Ausbruch des ersten Weltkrieges zeitweise an die Auflösung der Kapelle gedacht werden. Nach Kriegsende ging die Hofkapelle in den Besitz des Landes Thüringen über und wurde zwischen den Weltkriegen von dem jungen Kapellmeister Heinz Bongartz fortgeführt.
Nach dem zweiten Weltkrieg gehörte Meiningen zu den ersten Theatern, die den Spielbetrieb wieder aufnahmen und schon am 16. Juni 1945 erklang das erste Abonnementkonzert unter der Leitung von Peter Schmitz. Auch in der Folgezeit fühlten sich bedeutende Dirigenten nach Meiningen gezogen. So leitete von 1952 bis 1956 Ulrich Haverkamp die Kapelle, von 1956 bis 1961 gewann der später in Leipzig und an der Komischen Oper Berlin tätige Rolf Reuter erste Dirigiererfahrungen, wobei er einen besonderen Akzent auf Aufführungen von Mozart und Strauss setzte. Dagegen fühlte sich sein Nachfolger Olaf Koch von 1961 bis 1967 insbesondere der italienischen Oper sowie dem Werk Schostakowitschs verpflichtet. 1967 wurde Wolfgang Hocke zum musikalischen Oberleiter, 1971 zum Musikdirektor berufen und trat auch mit eigenen Kompositionen erfolgreich an die Öffentlichkeit. Zu einem außergewöhnlichen Ereignis wurde in der Saison 1995/96 die szenische Uraufführung von Franz Schuberts unvollendeter Oper „Der Graf von Gleichen".

Eine Frau am Pult
In der Spielzeit 1995/96 stand erstmals eine Frau am Pult des Meininger Orchesters: Die gebürtige Schweizerin Marie-Jeanne Dufour leitete das Orchester und setzte in dieser Zeit einerseits die Meininger Traditionslinie fort und verstärkte andererseits in den Sinfoniekonzerten die Annäherung an die Musik unseres Jahrhunderts. Eine weitere Bereicherung stellen die moderierten Jugendkonzerte „Hören - Lernen" dar.
Mit der Saison 1999/2000 übernahm Kirill Petrenko als Generalmusikdirektor die Leitung des Orchesters und führte es zu einer überregional beachteten Qualitätssteigerung. Bedeutende Opernaufführungen waren „Lady Macbeth von Mzensk", „Der Rosenkavalier" und vor allem die spektakuläre Inszenierung von Wagners „Ring des Nibelungen" an vier aufeinanderfolgenden Abenden. Nachdem 2002 Kirill Petrenko wie sein Vorgänger Rolf Reuter an die Komische Oper Berlin als Generalmusikdirektor wechselte, übernahm der Italiener Fabrizio Ventura für zwei Jahre die Chefposition. Unter seiner Leitung standen „Tristan und Isolde" und Janaceks „Jenufa" auf dem Spielplan, zudem setzten internationale Solisten im Konzertprogramm Akzente. 2004 gab es erneut eine radikale Verjüngung auf der Position des Generalmusikdirektors, der 25-jährige Kasache Alan Buribayev wurde zum GMD berufen. Mit ihm erfolgte im Januar 2005 die Einweihung der neuen Konzertmuschel im Meininger Theater.

Die Hofkapelle heute
Seit dem 17. Dezember 2006, dem Festakt anlässlich des 175jährigen Bestehens des Meininger Theaters, heißt das Orchester des Meininger Theaters wieder „Meininger Hofkapelle“. In einer feierlichen Zeremonie überreichte der zuständige Staatssekretär Dr. Walter Bauer-Wabnegg, Vorsitzender des Stiftungsrates der Kulturstiftung Meiningen, die Namensurkunde. Mit dem Namen soll an die große Tradition des Meininger Orchesters Ende des 19. Jahrhunderts erinnert werden, der man sich verbunden und verpflichtet fühlt.
Mit Beginn der Spielzeit 2007/2008 übernahm Hans Urbanek die Leitung der Meininger Hofkapelle. Dank seines cleveren Engagements erhielt das Orchester nicht allein einen edlen neuen Konzertflügel, sondern erlebte zudem glänzende Auftritte mit der internationalen Starpianistin Elisabeth Leonskaja und erstrahlte mit einem umjubelten "Parsifal". Die Meininger "Elektra"-Inszenirung unter seiner musikalischen Leitung wurde 2009 für den Faustpreis nominiert.

 

Philippe Bach

 

Seit Ende 2010 heißt der neue Mann am Pult Philippe Bach. Der junge Schweizer präsentierte sich bereits mit Auftritten in der Stadtkirche und dem Theaterzelt sowie bei der großen Open-Air-Veranstaltung des „Rienzi“ während des Meininger Theatersommers; zur Wiedereröffnung des Großen Hauses leitete der neue Generalmusikdirektor Richard Wagners „Das Liebesverbot“.