Im Jahr 2006 feierte die Landeskapelle Eisenach ihr 60-jähriges Jubiläum. 1946 war die Schlesische Philharmonie aus Breslau in Folge der Nachkriegswirren nach Eisenach gekommen. Die Stadt beschloss, einen Großteil der Musiker anzustellen und dem Orchester - vervollständigt durch Mitglieder eines früheren Eisenacher Orchesters von 1919 - eine neue Heimat zu geben.
Dieser 1952 offiziell in „Landeskapelle Eisenach" umbenannte Klangkörper prägt seither als Sinfonie- und Theaterorchester die Musikkultur der Stadt Eisenach entscheidend. Zahlreiche berühmte Dirigenten und Solisten wie Hermann Abendroth, Heinz Bongartz oder Rolf Reuter gastierten in Eisenach. Neben dem klassischen Repertoire in Oper, Operette und Konzert setzt sich die Landeskapelle auch für die Pflege älterer Musik - insbesondere von Bach und Telemann - und zeitgenössischer Kompositionen ein.
In den vergangenen Jahren erzielte die Landeskapelle Eisenach unter der Leitung ihres sie bis Ende der Spielzeit 2008/09 begleitenden Chefdirigenten, des Japaners Tetsuro Ban - eines gefeierten Nachwuchstalents von internationaler Reputation -, große Erfolge und begeisterte das Eisenacher Publikum ebenso wie Musikkritiker der überregionalen Presse.
Mit dem Spanier Carlos Domínguez-Nieto, der bereits auf eine internationale Karriere zurückblicken kann und sich zuletzt als Gründer und Leiter von "concierto münchen" einen Namen gemacht hat, erhielt die Landeskapelle mit Beginn der neuen Spielzeit einen neuen Chefdirigenten.
Bereits in den ersten Monaten seiner Leitung verwirklichte der junge Dirigent viele neue Ideen: allen voran die mittlerweile sich größter Beliebtheit erfreuende „Mittagsmusik um zwölf-Uhr-zwölf“, eine Konzertreihe, zu der die Landeskapelle an einem Donnerstag im Monat um 12.12 Uhr in die Eisenacher Georgenkirche einlädt, um mit einer der neun Beethoven-Sinfonien den Bürgern der Stadt die Mittagspause zu verschönern. Regelmäßig von bis zu 700 Zuhörern besucht, gehört die „Mittagsmusik“ längst zu den kulturellen Höhepunkten der Wartburgstadt. Ihren rauschenden Abschluss wird die Reihe am Samstag, dem 5. Juni, in einem großen BEETHOVENFEST im Landestheater Eisenach erleben: an diesem Tag werden im Stundentakt alle neun Beethoven-Sinfonien aufgeführt werden, um 13 Uhr die erste, um 14 Uhr die zweite und so weiter. Ein solches Projekt hat es zuletzt 1988 in der Londoner Royal Festival Hall unter der Leitung von Lorin Maazel gegeben – mit drei Orchestern und insgesamt 250 Musikern. Domínguez-Nieto und die Landeskapelle Eisenach werden, unterstützt durch Musiker von anderen Thüringer Orchestern, das "Mammutprojekt" mit 70 Musikern schaffen.
In Goethes Schauspiel Egmont, das das Landestheater Eisenach in dieser Spielzeit in der Fassung von Schiller und mit der vollständigen, 48-minütigen Bühnenmusik von Beethoven aufführt – eine Kombination, die es seit mehr als hundert Jahren auf deutschen Bühnen nicht mehr gegeben hat –, sitzt die Landeskapelle mit auf der Bühne und ist in das inszenatorische Geschehen eingebunden, und neben Kinder- und Familienkonzerten, die Domínguez-Nieto selbst moderiert und bei denen das junge Publikum regelmäßig aktiv mitwirken kann, gelten die Sinfoniekonzerte der Landeskapelle, die seit dieser Spielzeit von einem viertelstündigen Preludio, gestaltet durch solistische Beiträge von Mitgliedern der Landeskapelle, einleitet werden – auch eine Neuerung des Chefdirigenten –, als ein veritabler Besuchermagnet.